Weihnachten

F├╝rchtet euch nicht! ...denn euch ist heute der Heilanf geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids

Quelle: Annette Wohlfeil - Krippe aus Austellung von Willy Schneider

Die Geschichte des Christentums kann mit vielen seltsamen Entwicklungen aufwarten. Eine der erstaunlichsten ist, wie es kam, dass ein Fest, das lange im Schatten der wirklich großen christlichen Feste lag, zum heute populärsten Fest der Christenheit geworden ist: Weihnachten.

Jahrzehnte lang hatten die frühen Christen wenig Interesse an der Geburt ihres Erlösers – viel höher schätzte man den Tag der Auferstehung, dann den Tag der Kreuzigung und den Tag der Gründung der Kirche, die man am Pfingstfest feierte. Bis heute ist das Entstehen des Weihnachtsfestes nicht ganz geklärt.

Die wahre Sonne
Die frühesten Zeugnisse eines feierlichen Begehens des Geburtstermins Jesu stammen aus den östlichen Kirchen des Römischen Reiches. Dort feierte die Kirche in den ersten drei Jahrhunderten am 6. Januar „Weihnachten“. Allmählich aber begann sich in theologischen Schriften immer stärker der 25. Dezember als Festtagsdatum durchzusetzen. Das Datum ging von Rom aus, dort feierte man den Tag, bis zur christlichen Eroberung des Datums nach einem Erlass des Kaisers Aurelian, als „Fest der Sonne“. Dass ein römischer Bischof Mitte des vierten Jahrhunderts den 25. Dezember als Tag der Geburt Christi festlegte, sollte der Welt deutlich machen, dass „die wahre Sonne“, Christus, an die Stelle des Sonnengottes getreten war. Eine zweite Deutung des Termins ist eine rein theologische Konstruktion.

Die Zeugung Jesu soll am 25. März, dem Fest der Verkündigung seiner Geburt, geschehen sein. Das ist zugleich die Tag- und Nachtgleiche im Frühjahr, traditionell als der erste Schöpfungstag der Welt und der erste Tag der Menschheit nach biblischem Verständnis.

Neun Monate später wird Jesus geboren – der Tag der Erlösung der Menschheit. Das Weihnachtsfest breitete sich rasch über das gesamte Gebiet der römischen Reiche aus, bereits um 400 wurde der 25. Dezember bis auf wenige Ausnahmen in den Gemeinden als Tag der Geburt Christi gefeiert. Kaiser Justin II. ordnete um 570 das Weihnachtsfest für den 25. Dezember für allgemein verbindlich an. Ein Datum, das bis heute gilt.

Ralph Ludwig, Theologe und Journalist
(mit freundlicher Genehmigung der Redaktion "Standpunkte", das evangelische Magazin für Baden mit chrismon plus, erschien monatlich bis Ende 2008)


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