Rechtfertigung allein aus Glauben

Quelle: ekiba

Eine Lebensfrage, die die eigene Existenz bis ins Tiefste hinein betrifft – und deren Beantwortung das Leben verändern kann: die Frage nach den leiblichen Eltern, die Frage nach der eigenen unheilbaren Krankheit, die Frage nach dem Sinn des Daseins…

Auch Martin Luther trieb eine Frage um. Sie quälte ihn. Sie war einer der Hauptgründe, warum er Mönch wurde. Und als er die Antwort auf diese Frage endlich gefunden hatte, wollte er damit seine Kirche, die „katholische“ Kirche, verändern; wollte, dass die Menschen auch zu dieser Erkenntnis gelangten. Dass auch sie ihre Angst vor Gott, vor Hölle und Verdammnis verlieren.
Die Antwort auf seine Frage führte in die Reformation.

„Wie bekomme ich einen gnädigen Gott? Wie werde ich vor Gott gerecht?“ – dies ist die Frage, die Martin Luther so lange Zeit beschäftigte. Für ihn war sie eine sehr persönliche und existentielle Frage. Er stellte sie sich nicht aus rein philosophischem und theologischem Interesse – sondern aus Angst. Aus Angst, vor Gott im Jüngsten Gericht nicht bestehen zu können – und von ihm zur ewigen Verdammnis verurteilt zu werden. Aus Angst, dass alle seine guten Werke, seine Selbstkasteiungen, ja selbst sein Leben als Mönch nicht ausreichen würden, um Gott gnädig zu stimmen.

Martin Luther teilte damit die Angst vieler Menschen der damaligen Zeit. Denn viele Predigten schürten die Angst vor der ewigen Verdammnis. So wurden Höllenszenen und die Qualen des Fegefeuers sehr plastisch in kleinen Theaterstückchen dargestellt. Gellende Schreie, Feuer und Darstellungen des Teufels, der mit Freude die armen Verstorbenen quält – wer wollte da keine Angst bekommen?!
Der Ablasshandel der Kirche blühte. Schließlich wurde den Menschen versprochen, dass durch den Kauf eines Ablassbriefes den verstorbenen Angehörigen aus der Hölle geholfen, sowie das eigene Leben vor der Hölle gerettet werden könne.

Martin Luther war jedoch zutiefst davon überzeugt, dass Gott sich nicht durch ein paar Münzen bestechen lässt, und die Seele aus der Hölle holt.
Aber wie, wie konnte er Gott denn dann gnädig stimmen, wenn die eigenen guten Werke nie reichen würden und auch ein Ablassbrief keine Rettung bringen könnte?

Martin Luther studierte die Bibel – Wort für Wort. Las, was für eine frohe Botschaft sie enthielt – und entdeckte Worte in ihr, die ihn erkennen ließen, auf welche Weise er selbst – und der Mensch an sich – einen gnädigen Gott bekommen kann.
Er erkannte, was sein Leben und sein Gottvertrauen veränderte: allein aus Gnade und allein aus Glauben wird der Mensch von Gott gerecht, also frei gesprochen, wird gerettet vor Hölle und Verdammnis, wird befreit von der eigenen Schuld.

Für Luther war diese Entdeckung lebensrettend und lebensweisend.
Gott schenkt seine Gnade – nicht, weil der Mensch ihn gnädig stimmen kann, nicht, weil der Mensch versucht, gute Werke zu tun, nicht, weil er von seinem mageren Gehalt Ablässe kauft, sondern weil Gott von sich aus gnädig ist. Gott hat sich entschieden, gnädig zu sein. Nicht nur einem bestimmten Personenkreis, sondern jedem Menschen. Gott ist den Menschen gnädig. Das ist Teil des Wesens Gottes, das der Mensch doch nie begreifen kann.

Zum anderen erkannte Luther, dass der Mensch dieses Angebot ergreifen muss, damit es im eigenen Leben verändernd wirken kann.
Nur wer diesem Gnadengeschenk Gottes auch glaubt, kann seine Angst vor Hölle und Verdammnis getrost vergessen.
Und die, die Gottes Gnade als Realität erkannt haben – und damit auch die Botschaft von seiner Liebe und seinen Angeboten, das Leben in Liebe zu sich selbst, zu seinem Nächsten und zu Gott zu gestalten, dessen Leben wird sich verändern. Dann werden „gute Werke“ folgen. Diese sind also nicht Voraussetzung für die Gnade Gottes, sondern die Konsequenz seiner Gnadenzusage an den Menschen.
Für Luther war diese Erkenntnis so revolutionär, dass seine Predigten und Schriften immer wieder davon handelten und im sogenannten Thesenanschlag ihren veröffentlichten Höhepunkt fanden.

In der Folge zerbrach an dieser Frage der Rechtfertigung die katholische Kirche – und die evangelische Kirche entstand – mit der Rechtfertigungslehre als zentralem Glaubensinhalt.

Am 31. Oktober 1999 unterschrieben der Lutherische Weltbund und die Katholische Kirche die gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre, in der sie sich auf ein gemeinsames Verständnis der Rechtfertigung allein aus Gnade berufen.

Hier kommen Sie zum Text der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre:
 

Hier finden Sie die Rechtfertigungslehre als Comicvideo zum Anschauen: www.ekd.de/glauben/e-wie-evangelisch/e_rechtfertigung.html