Maßnahmenpaket der EKIBA für die Jahre 2016 bis 2018

Maßnahmenpaket der Evangelischen Landeskirche in Baden
„Schutz, Aufnahme, Integration
von Asylsuchenden und Flüchtlingen“

 

Vor dem Hintergrund der aktuellen Herausforderungen hat die Evangelischen Landeskirche in Baden am 17.12. 2015 ein Maßnahmenpaket in Höhe von zusätzlichen 11,2 Mio. € für 3 Jahre beschlossen (2016-2018), um die Flüchtlingsarbeit zu verstärken und die Kirchenbezirke sowie Kirchengemeinden in ihren vielfältigen Aktivitäten vor Ort verstärkt zu unterstützen.

Die Maßnahmen im Überblick:

1.1. Fachberatungsstellen Flüchtlinge in den Kirchenbezirken

Die Fachberatungsstellen Flüchtlinge in den Kirchenbezirken sind ein zentraler Bestandteil der fachlichen Begleitung und Unterstützung der vielfältigen Aktivitäten von Ehren- und Hauptamtlichen in den Kirchenbezirken, -gemeinden und Initiativen. Die bestehenden Stellen werden auf 16 Stellen-deputate aufgestockt.

Die Mitarbeitenden sind i.d.R. qualifizierte Sozialpädagogen/innen mit besonderen Fachkenntnissen im Flüchtlingsbereich. Sie sind bei den Diakonischen Werken der Kirchenbezirke angesiedelt. Diese unterstützen die Initiativen, Kirchengemeinden, Ehrenamtlichen im jeweiligen Stadt- und Landkreis in der Flüchtlingsarbeit durch Beratungen, Fortbildungen sowie die Begleitung der Netzwerkstrukturen. Sie beraten und unterstützen Flüchtlinge in besonders gelagerten Einzelfällen in enger Kooperation mit der „staatlichen“ Flüchtlingssozialarbeit sowie den Kirchenbezirken und Kirchengemeinden. Sie leisten Akzeptanz- und Gemeinwesenarbeit in enger Zusammenarbeit mit Kirchengemeinden, Initiativen, den Strukturen im Kirchenbezirk und der Diakonie (Veranstaltungen, Bildungsarbeit, Unterstützung der Kirchengemeinden beim Aufbau von Begegnungsangeboten und anderen konkreten Maßnahmen u. v. m.). 

 

1.2. Kirchenbezirksbeauftragte für Flucht und Migration

Um die Koordinierungsarbeit, Gemeinwesen- und Seelsorgearbeit auf Bezirksebene effektiv sicherstellen zu können, werden zusätzlich in den Kirchenbezirken Kirchenbezirksbeauftragte für Flucht und Migration eingerichtet. Hierzu werden insgesamt 24 x 0,5-Stellendeputate finanziert, besetzt mit Pfarrer/innen, Diakonen/innen oder ähnlicher Qualifikation. Sie koordinieren die Arbeit im Kirchenbezirk, fördern Akzeptanz und Begegnung sowie den interkulturellen und interreligiösen Dialog, stärken die Integrationsarbeit für und mit Flüchtlingen, begleiten die Arbeit von Haupt- und Ehrenamtlichen seelsorglich, betreiben Gemeinwesen- und Netzwerkarbeit. Zudem wird für die als Erstaufnahmestandorte besonders betroffenen Kirchenbezirke Heidelberg, Mannheim und Karlsruhe jeweils zusätzlich ein 0,25 Stellendeputat im Flüchtlingsbereich zur Verfügung gestellt.

 

1.3. Schulungen

Eine zentrale Aufgabe ist die Begleitung Ehrenamtlicher, die sich im Bereich der Flüchtlingsarbeit engagieren. Neben dem Support und einer engen Begleitung der Initiativen sowie der Arbeit im Einzelfall und der Erstellung von Materialien sollen bedarfsgerecht Schulungen zu verschiedenen Themen angeboten werden. Hierzu besteht ein modulares Schulungskonzept, das in den Kirchenbezirken mit Hilfe von geeigneten Referenten/innen entsprechend dem Bedarf angeboten werden soll. Hierfür sind Honorarmittel in Höhe von 50.000 € pro Jahr in das Maßnahmenpaket eingestellt.

 

1.4. Fonds für konkrete Maßnahmen

Ferner sind 3,3 Mio. € vorgesehen, um konkrete Maßnahmen im Flüchtlingsbereich im jeweiligen Kirchenbezirk und den Kirchengemeinden zu finanzieren. Die Mittel werden nach einem Schlüssel auf die Kirchenbezirke verteilt und können unbürokratisch zweckentsprechend abgerufen werden. Die Priorisierung von notwendigen Maßnahmen erfolgt durch den Kirchenbezirk. Er entscheidet in enger Zusammenarbeit mit den örtlichen Diakonischen Werken über die zweckgebundene Verwendung im Rahmen des Budgets.

 

2.1. Begleitung der Flüchtlingsarbeit durch die Landeskirche

Im Evangelischen Oberkirchenrat wird zur Begleitung des Gesamtprogramms und zur Unterstützung der Strukturen und Fachberatungskompetenz die Personalkapazität verstärkt. Hierfür sind 1,5 zusätz-liche Stellen  vorgesehen (Fachberatungsstelle und Sekretariat).

 

2.2. Maßnahme an der EH Freiburg

Die Evangelische Hochschule in Freiburg entwickelt ein auf Migrantinnen und Migranten abgestimmtes Programm, das diesen das Studium an der EHF und damit die Integration in den Arbeitsmarkt ermöglichen soll. Es soll ein Konzept entwickelt werden, mit dem studierfähige und studierwillige Flüchtlinge für die Bachelor-Studiengänge „Soziale Arbeit“ und „Pädagogik der Kindheit“ gewonnen, auf das Studium vorbereitet und im Studium begleitet werden können. Hierzu müssen neue Lehr- und Lernformate entwickelt werden.

 

2.3. Maßnahmen im Bildungsbereich

2.3.1. Förderung des Erlernens der deutschen Sprache/ 2.3.5. Schulkooperative Projekte: Das Erlernen der deutschen Sprache erfolgt bei Jugendlichen und Heranwachsenden in Vorbereitungsklassen bzw. in den sogenannten VABO-Klassen („Vorqualifizierung Arbeit und Beruf für Jugendliche ohne Deutschkenntnisse“). Kirchliche Lehrkräfte werden dafür auf Wunsch von Schulleitungen verstärkt in VABO Klassen eingesetzt und entsprechende Deputatsanteile zur Verfügung gestellt. An evangelischen Schulen werden gezielt Flüchtlingskinder aufgenommen, die vom Schulgeld weitgehend befreit werden und zusätzliche Förderstunden erhalten.

 

2.3.2. Kurse im christlichen Glauben: Die Abteilung Missionarische Dienste entwickelt zusammen mit der Abteilung Mission und Ökumene einen Kurs für Flüchtlinge (in den Sprachen Farsi, Arabisch, Englisch und Französisch), der es Migranten ermöglicht, Grundzüge des christlichen Glaubens und christlicher Kultur in Deutschland kennenzulernen. Dieser Kurs richtet sich an Menschen, die den christlichen Glauben näher kennen lernen wollen. Er unterstützt damit Gemeinden und ehrenamtlich Mitarbeitenden, gegenüber Flüchtlingen Auskunft über den eigenen Glauben geben zu können.

 

2.3.3. Kulturelle Bildung: Einen wichtigen Beitrag leisten Freizeit-, Begegnungs- und alltagsbezogene kulturelle Bildungsangebote für Jugendliche, (junge) Erwachsene und Familien. Eine Schwerpunktsetzung von Bildungs- und Begleitungsangeboten für Frauen und Mädchen als besonders benachteiligter Gruppe erscheint notwendig, da diese im Rahmen von Hilfsangeboten oft zu wenig berücksichtigt werden.  

 

2.3.4. Jugend- und Freizeitarbeit einschl. CVJM: Mit Maßnahmen der Kinder- und Jugendarbeit sollen Kinder- und Jugendliche aus Flüchtlingsfamilien angesprochen und ihnen niederschwellig Mitmachangebote gemacht werden. Dabei geht es um gemeinsame Freizeitgestaltung, Sport und Musik, Kennenlernen der hiesigen Kultur und Sprache, um Formen der Alltagsbildung. Durch eine Projektstelle werden Initiativen vor Ort begleitet und eigene modellhafte Angebote entwickelt.

 

2.3.6 Evangelische Frauen in Baden: Im Rahmen der Frauenarbeit ist es Ziel der Fördermaßnahmen, Frauen mit Fluchterfahrung durch bedarfsorientierte, gendergerechte Angebote das Ankommen im Kulturkreis Deutschland zu erleichtern und mit Hilfe von Multiplikatorinnenarbeit Integrationsprozesse nachhaltig zu gestalten, z.B. durch Freiplätze für Frauen mit Fluchterfahrung auf Freizeiten und Seminaren. Daneben sind Qualifizierungslehrgänge für Gruppenleiterinnen von Mutter-Kind-Gruppen geplant, um Müttern in dieser speziellen Lebensphase adäquate Integrationsmöglichkeiten und gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. Zu diesem Aspekt gehört auch Beratungsqualifizierung für die Begleitung von Schwangeren im Alltag. Die Ausbildung von „Friedensfrauen“ knüpft an das Friedenspapier der Landeskirche an und übersetzt dessen Anliegen in die besondere Lage von Frauen mit Fluchterfahrungen.

 

2.4 Fonds für die Unterstützung der Flüchtlingsarbeit von Gemeinden anderer Sprache und Herkunft

Für konkrete Maßnahmen von Gemeinden anderer Sprache und Herkunft in der Landeskirche werden für drei Jahre 50.000 € zur Verfügung gestellt. Mittel aus diesem Fonds können von Gemeinden anderer Sprache und Herkunft, die Mitglied im Internationalen Konvent Christlicher Gemeinden sind oder werden, beantragt werden.

 

 

Für Fragen zur Flüchtlingsarbeit vor Ort oder in konkreten Einzelfällen wenden Sie sich bitte an die Fachberatungsstellen in den Kirchenbezirken im jeweiligen Stadt- und Landkreis. Die Adressen finden Sie unter www.ekiba.de/migration unter Beratung - Flüchtlinge.

Viele Informationen sind abrufbar unter: www.ekiba.de/migration

 

Ansprechpartner/innen bei der Landeskirche: Evangelischer Oberkirchenrat, Referat 5, Abteilung Migration, Interkulturelle Kompetenz, Interreligiöses Gespräch und Koordinierungsstelle

E-Mail: EOK-Migration[at]ekiba[dot]de  Tel:      0721-9175-525   Fax:     0721-9175-529