Karwoche

Eine Woche höchster Freude und tiefster Trauer

Quelle: Gabriele Mannich
Die Karwoche beginnt mit dem Palmsonntag und mündet in die Feier der Osternacht von Karsamstag auf Ostersonntag. Das Wort "kara" kommt aus dem Althochdeutschen und bedeutet: Trauer. Der Name der Karwoche beschreibt aber nur einen Aspekt ihres Charakters.
Diese Woche ist von großen Emotionen geprägt: Jubel über den Einzug in Jerusalem, Freude über die Einsetzung des Abendmahls und die Wiederaufnahme der Sünder in die Gemeinschaft der Gläubigen am Gründonnerstag,tiefer Trauer am Karfreitag über den Tod Jesu am Kreuz und stilles Verharren in dieser Trauer am Karsamstag. In vielen Ländern wird diese Zeit als „heilige Woche“ bezeichnet und mit Prozessionen begangen.

Der Palmsonntag
"Hosianna! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn, der König von Israel!" - mit diesen Worten umjubelten die Menschen den Einzug Jesu in Jerusalem, der auch der Beginn seiner Leidenszeit ist. Sie begrüßten ihn mit Palmenzweigen, während Jesus auf einem jungen Esel an ihnen vorbei in die Stadt ritt und sprach, wie es der Prophet Sacharja angekündigt hatte, um damit zu zeigen, dass dies nun erfüllt würde durch ihn: "Fürchte Dich nicht, du Tochter Zion! Siehe dein König kommt und reitet auf einem Eselsfüllen."
Auch heute noch denken die Christen in den Palmsonntagsgottesdiensten an Jesu Einzug - und vielerorts tun sie dies auch mit Palmzweigen und Palmprozessionen.

Der Gründonnerstag
Der Gründonnerstag ist der Tag, an dem Jesus mit seinen Jüngern das letzte Mahl teilte. Es war die feierliche Mahlzeit am Vorabend des jüdischen Passafestes, das an die Befreiung des Volkes Israel aus der ägyptischen Sklaverei durch Gott erinnert. Jesus gab dieser Erinnerung eine überraschende neue Dimension, indem er seine Lebenshingabe in den Horizont des göttlichen Befreiungswerkes stellte und seinen Jüngern den Auftrag gab, dieses Mahl immer wieder zu seinem Gedächtnis zu feiern.
Der Tag der Einsetzung des Abendmahls trägt verschiedene Namen: "Geburtstag des Kelchs", "Weißer" oder auch "Guter Donnerstag". Die Herkunft des Namens "Gründonnerstag" ist umstritten. Möglicherweise rührt er von dem Wort "greinen" her, was soviel bedeutet wie "weinen". Dieser Name weist darauf hin, dass an diesem Tag das Weinen der Sünder ein Ende hatte und sie wieder in die Gemeinde aufgenommen wurden. Andere Erklärungen sagen, dass das Essen grüner Kräuter diesem Tag seinen Namen gegeben hat – eine Verbindung zu den Speisetraditionen des jüdischen Passaabends.
Der Gottesdienst am Gründonnerstag wurde als Gedenktag der Gegenwart Jesu Christi und der Gemeinschaft mit ihm in der Feier des Abendmahls ursprünglich als Freudenfest gefeiert: als Vorgeschmack auf das ewige Leben in ungebrochener Gemeinschaft mit ihm. In der evangelischen Kirche ist dieser Freudencharakter des Abendmahls im Laufe der Jahrhunderte verdrängt worden vom Ernst des Gedenkens an die Lebenshingabe und den Tod Jesu. Dieser Ernst prägte selbst den Gründonnerstag, obwohl dort zum einzigen Mal in der Passionszeit die Jubelrufe "Gloria" und "Halleluja" gesungen werden und die weißen Paramente von der Freude künden. In vielen evangelischen Gemeinden wird heute am Abend des Gründonnerstags ein Abendmahlsgottesdienst in besonderer Form gefeiert, der an die Tischgemeinschaft Jesu erinnert.

Der Karfreitag
An diesem Tag gedenken die Christen des Kreuzestodes Jesu - und der Dunkelheit, die sich über die Menschen durch diesen Tod senkt.
Vielerorts wird als Zeichen dieser Trauer und der Hoffnungslosigkeit der Altar leergeräumt, die Orgel und die Glocken schweigen und das Kreuz wird mit einem schwarzen Tuch verhüllt. In manchen Gemeinden werden die Gottesdienste zur Todesstunde Jesu um 15.00 Uhr gefeiert und die Leidensgeschichte Jesu gelesen und/oder gesungen. An manchen Orten kommen die großen Passionsmusiken von Heinrich Schütz, Johann Sebastian Bach und anderen zur Aufführung.

Die Christen leben in einer Zeit, in der sie wissen, dass Ostern kam und Jesus auferstanden ist - und der Tod damit das letzte Wort verloren hat. Dennoch lässt der Karfreitags das Entsetzen über den Tod des Mannes, der der Heiland der Welt, der die Hoffnung für die Welt ist, jedes Jahr aufs Neue erleben.
Dieser Tag nimmt die Menschen mit hinein in die Verlassenheit und die Angst, die Jesus auf dem Weg zum und dann am Kreuz empfunden hat - und die er hinausschreit mit den Worten: "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?" (Markus 15,34) - und durch die er uns Menschen in unseren Verlassenheiten so nahe ist.
Der Karfreitag zeigt, wie schwarz die Welt ohne diesen Mann war - und in welche Hoffnungslosigkeit die Menschen ohne ihn stürzen müssten. Auch heute noch - wäre er nicht auferstanden.
Zum anderen erinnert der Karfreitag an die Sünden der Menschen, um derentwillen Christus gestorben ist - und mahnt damit die Christen, ihr Leben zu überdenken und neu auszurichten.

Der Karsamstag
Dieser Tag ist merkwürdig: Er ist kein Feiertag, die Geschäfte haben geöffnet, die Vorbereitungen auf die Osterfeiertage laufen. Und doch ist er ein einmaliger Tag im Jahresrythmus. Er erinnertdaran, dass in den Stunden zwischen dem Tod und der Auferstehung Jesu die Zukunft der Welt in Frage stand. Erst am Abend, wenn die Feiern zur Osternacht beginnen, kommt das Leben zurück.

 

Lesen Sie dazu auch:

 
Golgatha und das Grab Jesu

Der Hügel Golgatha und das Höhlengrab lagen außerhalb der Stadtmauern Jerusalems.
Später wurde die Stadtmauer verschoben. Heute liegt die Kirche, die über Jesu Grab errichtet wurde, mitten in der Stadt. Für mich ist das ein Symbol dafür, dass der bittere und schmachvolle Weg Jesu ein Weg in den Tod aber durch den Tod ins Leben ist.  Es ist ein Weg zurück zu den Menschen.

Wolfgang Max - Klinikseelsorger am Klinikum Pforzheim

Vorschläge zur Gottesdienstgestaltung im Kirchenjahr

Predigtanregungen, Gebete, Buchvorschläge etc. finden Sie auf der Internetseite www.daskirchenjahr.de

Das Kirchenjahr und die alten Kirchenbücher

Hilfe und Erklärungen für die Suche in alten Kirchenbüchern und der dortigen Zählung der Kirchenjahresdaten bietet die Seite: http://wiki-de.genealogy.net/Kirchenjahr