Herzensgebet

"Gott ist gegenwärtig."

Wenn wir dem zustimmen – welche Folgen hat es für uns? Wie leben wir in und mit der Gegenwart Gottes?
Das Herzensgebet ist eine mögliche Antwort, ein Ja auf das Geheimnis von Gottes Gegenwärtigsein.
Da Gott der Eine ist, der alles umfasst, ist ein Leben in der Gegenwart Gottes immer auch ein Ganzheitliches, das alle Bereiche des menschlichen Da – Seins in den Blick nimmt und zu integrieren bereit ist. Herz steht für die personale Wesensmitte des Menschen, im Herzen wohnt Christus durch den Glauben (Eph. 2,14).
Unser Herz sorgt dafür, dass das belebende Blut bis an die Peripherie des Körpers kommt. Im Herzensgebet kann erfahrbar werden, wie die liebevolle und belebende Gegenwart Gottes das menschliche Wesen durchpulst.
Mit dem Herzensgebet fanden die Christinnen und Christen der ersten Jahrhunderte der Kirche eine Antwort auf die Frage, was es heißt, zu beten ohne Unterlass (1. Thess.5,17).
Zum Herzensgebet gehört ein Gebetswort, das im Rhythmus von Einatmen und Ausatmen bewegt wird, sei es laut oder leise gesprochen oder im Inneren „empfunden“.
Man spricht vom immerwährenden Herzensgebet. Immerwährend ist neben dem Herzschlag der Atem. Wie Einatem und Ausatem sich in ständigem Fluss befinden, so kann auch das Herzensgebet zum Teil des Lebens werden.
Die Gebetsworte sind etwas sehr Persönliches, etwas Kostbares. Es ist das Wort, in dem Gott für einen Menschen gegenwärtig wird. Ein klassisches Gebetswort ist: „Herr, Jesus Christus, erbarme dich meiner.“ (vgl. Luk 17,13) Viele Menschen beten mit dem Satz: „Du in mir, ich in Dir.“ (vgl. Joh. 17,21).

Das Herzensgebet bedarf der Übung. Es ist gut, sich darin von erfahrenen Menschen anleiten und begleiten zu lassen.

Wolfgang Max

In der Stille Gott begegnen

Mit dem Herzensgebet entdecken immer mehr Christen die spirituelle Seite ihres Glaubens
Petra Müller-Roth hatte kein Burnout. Sie war nicht zusammengebrochen unter der dreifachen Belastung als Sozialarbeiterin, Hausfrau und Mutter von zwei kleinen Kindern. Der Stress fraß sie nicht auf, damals vor 15 Jahren. Aber der turbulente Alltag machte sich bei ihr durchaus bemerkbar. „Es fiel mir einfach immer schwerer, Sorgen und schwierige Gedanken auszublenden und zur Ruhe zu kommen“, erzählt die heute 46-Jährige. Deshalb wurde sie sofort neugierig, als in ihrer Gemeinde für das Wochenendseminar „Tage der Stille“ geworben wurde.
 
Offene Kirchen in Baden-Württemberg