Gemeinde leiten

Quelle: Oliver Huber (eingestellt von Annette Wohlfeil)
Rudern zwei ein boot,
der eine kundig der sterne,
der andre kundig der stürme,
wird der eine führn durch die sterne,
wird der andre führn durch die stürme,
und am ende ganz am ende
                                                    wird das meer in der erinnerung blau sein *

Das macht Sinn: Denn, wenn zwei sich mit ihren unterschiedlichen Fähigkeiten zusammentun, so bringen sie ihr Boot weiter übers Wasser als einer allein.
Darum wird das „Schiff, das sich Gemeinde nennt“, auch nicht von einem allein gesteuert, sondern gemeinsam von Pfarrerin und Pfarrer und dem Kirchengemeinderat. Gemeinsam leiten funktioniert aber nicht automatisch. Die zwei im Gedicht sind in verschiedenen Gebieten kundig; über die Sterne und die Stürme wird nicht diskutiert und abgestimmt, sondern der jeweils Kundige übernimmt Führung. Das ist die hohe Kunst des gemeinsamen Leitens: Unterschiede anerkennen und wertschätzend einsetzen.
In der Kirche wird das konsequent auf allen Ebenen durchgehalten, es gibt immer die gemeinsame Verantwortung von gewähltem Ehrenamt und geistlichem Amt. So braucht es zum Leiten in der Kirche immer beide: den Profi (möglichst gut ausgebildet!) im Pfarramt und die gewählten Vertreterinnen und Vertreter der christlichen Gemeinde. Nur im Zusammenspiel sind die beiden kundig genug für das Steuern der christlichen Gemeinde.
Die öffentliche Verkündigung, die Sakramentsverwaltung, die Seelsorge und der Unterricht sind klar die Aufgaben von gut ausgebildeten Geistlichen, die eine von der Landeskirche anerkannte Ausbildung haben und auch von ihr angestellt sind. Doch diese können nicht allein leiten, sie arbeiten gleichberechtigt mit den gewählten Vertretern der Gemeinden (früher Älteste) in der Gemeindeleitung zusammen. Jede/jeder soll sein Kundig-Sein einbringen und „führn“, dort, wo er etwas davon versteht – und „das meer wird in der erinnerung blau sein“


Weitere Infos für Kirchenälteste zum Thema „Gemeinde leiten“ und den damit verbundenen Aufgaben:

Gemeinde gemeinsam leiten

Viele Gemeinden sind immer noch hin auf den Pfarrer, die Pfarrerin orientiert. Dabei entdeckt man schon auf den ersten Blick eine Reihe von Personen, die in der Gemeinde haupt- oder ehrenamtlich mitarbeiten. Ihr Dienst und der Dienst der Pfarrerin und des Pfarrers sind aufeinander abgestimmt und ergänzen sich.

Je nach Ausbildung, Beruf, persönlichem Engagement, Interesse und Auftrag nehmen haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterschiedliche Aufgaben wahr. Wer mitarbeitet, möchte auch mitsprechen, mitwirken, mitbestimmen und einen angemessenen Anteil an Leitungsverantwortung tragen.

Dies gilt vor allem für die Kirchenältesten, denn sie sind eigens dazu berufen, gemeinsam mit dem Pfarrer oder der Pfarrerin die Gemeinde zu leiten.

Kirchenälteste:

  • informieren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie geben Prospekte, Einladungen und schriftliche Informationen weiter.
  • bedenken Sinn und Ziele ihrer Arbeit in der Gemeinde und haben keine Angst davor, auch unbequeme Erkenntnisse auszusprechen.
  • formulieren Zielvorgaben und wirken darauf hin, dass alle zusammenarbeiten.
  • bemühen sich um überzeugende Entscheidungen, die sachbezogen und deutlich im Ja oder im Nein sind.
  • stellen sich den Problemen und Konflikten. Sie sehen sie, sprechen sie an und versuchen, sie zu lösen. Sie verteidigen
    Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gegen unberechtigte Angriffe.
  • bemühen sich, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu motivieren. Sie begleiten deren Arbeit.
  • beobachten aufmerksam die Arbeitsatmosphäre und fördern ein partnerschaftliches Miteinander von Hauptamtlichen und
    Ehrenamtlichen.
  • leiten die Mitarbeiter/'innen an, gemäß den Weisungen für ihre Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit Sorge zu tragen.

Die verschiedenen Dienste und Werke der Landeskirche bieten Fortbildungsmöglichkeiten an, gerade auch für neugebildete Ältestenkreise. Diese Angebote - z.B. durch die Frauenarbeit und Erwachsenbildung - sind in besonderen Prospekten angekündigt. Außerdem gibt es Materialien, die jeder Ältestenkreis in einer ganztägigen oder zweitägigen Klausur erarbeiten und für die eigene Tätigkeit umsetzen kann. Dazu gehören insbesondere Materialien der landeskirchlichen Erwachsenenbildung.

*Quelle: Reiner Kunze, „rudern zwei“. Aus ders., gespräch mit der amsel. © S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main 1984.