Familiennachzug - Flüchtlinge in badischen Gemeinden warten auf ihre Familien

Quelle: Aktionswoche "Recht auf Familiennachzug"
Vom 4. bis zum 10. Dezember 2017 findet die Aktionswoche "Recht auf Familie - Integration braucht Familienzusammenführung" statt. Die Kirchen in Baden-Württemberg sind der Auffassung, dass Integration nur gelingen kann, wenn man auch den Menschen mit nur vorübergehendem Aufenthaltsrecht (subsidiär Schutzberechtigte) den Nachzug ihrer Familien ermöglicht. In den Gemeinden der ekiba gibt es eine Vielzahl von Betroffenen, die auf den Nachzug von Familienangehörigen warten. Hier einige Beispiele. (Aus Gründen des Datenschutzes wurden die Namen der Personen geändert.)
 
 

Herr A. aus Syrien

Ende 2015 kam Herr A. mit seinem ältesten Sohn nach Deutschland.  Seine Frau und die beiden jüngsten Kinder (heute 11 und 14 Jahre alt)  blieben in Syrien. Anfang 2017 erhielt Herr A. den subsidiären Schutzstatus. Seine Frau und die beiden jüngeren Kinder dürfen deshalb nicht nach Deutschland kommen. 

Dilan, Jesidin

Dilan kam im Dezember 2015 mit ihrer Schwiegerfamilie nach Deutschland. Ihre Eltern und zwei Brüder leben seit drei Jahren in einem Camp im Nordirak, weil der Heimatort zerstört ist. Da Dilan volljährig ist, wird der Familiennachzug verwehrt.

Familie N. aus Syrien

Herr und Frau N. konnten Ende September 2017 zu ihrem minderjährigen Sohn nachziehen. Der Visumsantrag für den 10-jährigen zweiten Sohn wurde abgelehnt. Das Kind lebt ohne Familie bei den Nachbarn. Einen Asylantrag hat Familie N. bisher noch nicht gestellt. Frau N. will wieder in das zerstörte Syrien zurückreisen, wenn ihr Sohn nicht nachkommen darf. 
 

Yasin M.

Yasin M. verließ seine Heimat Syrien Anfang April 2013. Seine Frau musste zurückbleiben. Im Oktober 2014 kam er nach Deutschland und stellte einen Asylantrag. Nach zwei Jahren wurde ihm im November 2016 nur der subsidiäre Schutz gewährt, der den Familiennachzug nicht zulässt. Seine Frau hat er seit über vier Jahren nicht mehr gesehen. 

Familie M. aus Syrien

Herr M. ist mit seiner inzwischen 18-jährigen Tochter und einem 15-jährigen Sohn seit 2015 in Deutschland. Seine Frau, drei weitere Töchter und der erst vierjährige jüngste Sohn mussten in Syrien zurückbleiben. Die Familie hat ihre Wohnung verloren und zieht wegen der ständigen Gefahren von Ort zu Ort. Ein Nachzug ist aufgrund des nur subsidiären Schutzstatus von Familie M. nicht möglich. 

Hassan L. aus Syrien

Nachdem der IS seine Heimatstadt erorbert hatte, floh der heute 38-jährige Hassan L. mit seiner schwangeren Frau und seiner Mutter in die Türkei. Die Mutter starb auf der Flucht. Er konnte über die Balkanroute weiter nach Deutschland fliehen. Seine Frau und sein auf der Flucht geborener Sohn mussten zurückbleiben. Im Juli 2016 erhielt er den subsidiären Schutzstatus. Nach der im Moment gültigen Rechtslage ist ein Nachzug seiner Familie nicht möglich. 

Ali A. aus Syrien

Ali A. wurde im August 2016 als Flüchtling anerkannt und beantragte für seine Frau und die beiden minderjährigen Kinder den Familiennachzug. Er erhielt jedoch kein Aufenthaltsrecht, da aus unerfindlichen Gründen gegen ihn ermittelt wurde.  Anfang 2017 suchte er rechtlichen Beistand, der Anwalt erhielt  Ende September Einsicht in die Akten. Anfang November 2017 stellte sich heraus, dass aufgrund eines Behördenfehlers gegen ihn ermittelt worden war und die Ermittlungen bereits im Februar 2017 eingestellt worden waren. Ali A. hat im November erneut das Aufenthaltsrecht beantragt und hofft, dass seine Familie irgendwann zu ihm nach Deutschland kommen kann.