EEB Baden-Baden und Rastatt

Heiße Quellen - Bildung und Kultur für die offene Stadt

Ein Symposion
Quelle: Thomas Weiß, EEB Baden-Baden

„Sonst beschäftige ich mich nur mit Abrechnung, Personalverwaltung, Honorarverhandlungen, Veranstaltungsplanung – heute habe ich endlich mal wieder darüber nachdenken können, warum ich so gerne die Leiterin dieser Einrichtung bin“ hieß es im Schlussfazit des Symposiums „Bildung und Kultur für die offene Stadt“ von einer der Teilnehmenden.

Im Rahmen der Jubiläumsfeiern zu 50-Jahren Evang. Erwachsenenbildung in Baden bot die Evang. Erwachsenenbildung Baden-Baden an, was sie sich zum Anliegen ihrer Arbeit gemacht hat: Gastfreundschaft, Raum für offene Gespräche, Dialoge initiieren. Eingeladen waren die Repräsentantinnen und Repräsentanten aller bildungs- und kulturrelevanten Einrichtungen der Stadt Baden-Baden, deren Zielgruppe Erwachsenen sind (35 an der Zahl), gekommen war etwa die Hälfte: Volkshochschule und Festspielhaus, SWR und „Forum Zukunft“, das Theater Baden-Baden und die „Brahmsgesellschaft“, Musikverein und Musikwerkstatt, Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen, das Kulturbüro der Stadt, die „Ökumenische Erwachsenenbildung Lichtental“ und andere.

Sechzehn Teilnehmende riefen sich 1968 als ein Epoche-bildendes Jahr in Erinnerung und zogen eine (subjektive, unvollständige, aber höchst anregende) Bilanz. Stichworte der 68’er wie „Emanzipation, Autonomie, gesellschaftliche Verantwortung, Geschichts- und Sprachfähigkeit des und der Einzelnen“ wurden befragt und in die heutige gesellschaftliche Situation hinein übersetzt. Dabei wurde intensiv diskutiert, ob es eine gemeinsame, gesellschaftliche Verantwortung aller Bildungs- und Kulturträger der Stadt Baden-Baden gebe. Am Ende bejahten die Gesprächspartner und -partnerinnen diese herausfordernde Frage.

Von den meisten Teilnehmenden wurde als sehr positiv empfunden, dass das Symposium keinen unmittelbaren Zweck (Resolution, Vernetzung o.ä.) verfolgte, sondern Raum bot, grundsätzliche Fragen grundsätzlich anzugehen, außerhalb der gewohnten Ergebnisorientierung. Das persönliche und das institutionelle Selbstverständnis der in Bildungs- und Kulturarbeit Verantwortlichen konnte bedacht und formuliert werden. Dass sich an diesem Abend zum ersten Mal Vertreter und Vertreterinnen von Institutionen, die sich sonst höchstens bilateral, meist gar nicht begegnen, an einem Tisch trafen – zum hierarchiefreien, nicht verzweckten Dialog – wurde besonders bemerkt.

Ein Ergebnis hatte das dreistündige Symposium (bei dem, weil „Symposium“ eben „Gastmahl heißt“, auch fröhlich gespeist und getrunken wurde) dann doch: Die Evang. Erwachsenenbildung wurde gebeten, binnen Jahresfrist wieder zum „offenen Gespräch“ einzuladen, dann zu einem relevanten Thema der Stadt, etwa „Bewerbung zum Weltkulturerbe – Wie stehen die einzelnen Einrichtungen dazu?“, oder „Bildung und Kultur im Kontext von Armut und Reichtum“.

Pfarrer Thomas Weiß

Evangelische Erwachsenenbildung Baden-Baden